Silvia:

Fangen wir mal damit an:
Ich muss all denen, die unsere Seite regelmäßig besuchen, nicht erklären, was wir machen.
Die Berichte auf Facebook, unsere Notizen und die regelmäßigen Tagebucheinträge auf unserer Webseite seit 2010 sprechen ihre ganz eigene, deutliche Sprache.

 

Von 249 Tieren haben wir in 2015 die Halter gefunden, in 2016 sind es bis jetzt (Ende Juni) auch schon 111 - ratlosen Findern und unzähligen Besitzern haben wir mit Rat und Tat beiseite gestanden, die verzweifelt nach ihrem vermissten Tier suchten; unsere Aktiven haben (u.a. auch mit ihren Hunden) nach vermissten Vierbeinern gesucht, waren bei Wind und Wetter unterwegs, an Sonn- und Feiertagen, tagsüber genauso wie in der Nacht.

111 Tiere in diesem Jahr bis heute, deren Besitzer wir gefunden haben.
25ste Woche des Jahres, 111 Tiere.... wer ist gut in Mathe?
Müssten etwa 4 1/2 pro Woche sein, richtig?

Noch nicht mitgezählt alle gefahrenen Einsätze für Tiere, deren Zuhause wir noch
nicht ermitteln konnten, darunter leider auch viele tote.

Nicht selten war dafür kreatives Organisationstalent vonnöten, um Familie, Beruf und
die Einsätze für den Tiersuchdienst unter einen Hut zu bringen.

 

Und nun haben wir uns in einem ziemlich ausfallenden Ton anhören dürfen,
wir säßen am PC und verteilten Bildchen, statt uns ins Auto zu setzen, um einem Hund zu helfen... tja.
Wüste Behauptungen wurden aufgestellt, Vorwürfe erhoben, Manieren und Fassung gingen komplett

verloren - kurz, es wurde sehr unerfreulich.
Und man liest sowas und fragt sich verblüfft - was ist denn jetzt los?!
Nach Kopfschütteln, einem Anflug von Zorn und dem kurzen Drang, das Prinzip “Wie-du-mir-so-ich-dir” anzuwenden, setzt sich dann aber doch die gute Kinderstube durch. Und die Einsicht, dass es keinen Sinn hat, damit seine Zeit und Nerven zu verschwenden.


Dieser Komplettverlust an Benimm bei unserer “Kritikerin” hat uns wieder deutlich gemacht, was wir bei unseren aktiven Mitgliedern unbedingt voraussetzen:

  • dass man auch dann, wenn man sich gerade enorm gestresst fühlt, nicht die Nerven verlieren darf

  • dass man höflich bleibt und über genügend Souveränität verfügt, auch in schwierigen Situationen den Überblick zu bewahren und auf seine Wortwahl zu achten

  • dass man für Tiere in Not und ratlose Menschen eine beruhigende, verlässliche Hilfe sein muss
     

Natürlich gibt es noch eine ganze Reihe anderer Voraussetzungen, die man mitbringen sollte - denn gut gemeint ist längst nicht gut gemacht!

Heidi:

Auch ich möchte noch etwas dazu sagen, weil es mir seit Tagen schon durch den Kopf geht…
 

Der Tiersuchdienst Wesermarsch entstand im Jahre 2000 aus der Not heraus, dass unsere eigene Katze
nicht nach Hause kam.

Drei kleine Kinder, die die Nachbarschaft absuchten, jeden fragten, der ihnen über den Weg lief, ob sie das vermisste Tier gesehen haben, Zettel in die Briefkästen warfen… tagelang… wochenlang… und sogar noch Jahre später fragte die Jüngste immer wieder mal nach „Winnie“.
Ich suchte natürlich auch. Zahlreiche Anzeigen schaltete ich in den Zeitungen, durchsuchte das Internet.
Bis auf das Nordenhamer Tierheim gab es hier keinen Ansprechpartner. Niemanden, der einen Rat gab, noch eine Idee hatte - oder auch einfach nur Mut machte und Trost spendete!
Auf meine Anzeigen meldeten sich zahlreiche Katzenhalter, die genau wie wir ihr Tier vermissten.
Dreißig insgesamt. Alle am selben Wochenende verschwunden!

 

Ich erstattete eine Anzeige gegen Unbekannt wegen Diebstahls bei der Polizei, und mit mir alle anderen Katzenhalter - sie hatten alle unterschrieben! Zu jedem einzelnen bin ich damals gefahren.
 

Natürlich half die Anzeige gar nichts. Ich weiß nicht einmal, ob die überhaupt bearbeitet wurde.

Ich weiß nur, dass es Menschen gab, die damals genauso hilflos waren wie ich.
Auch jede weitere vermisste Katze meldete ich der Polizei - ernst genommen wurde ich nicht. Ich war nur die gelangweilte Hausfrau, die nichts Besseres zu tun hatte, als die Beamten zu nerven…

Irgendwann traf ich dann mal einen Polizisten, der mich zur Seite nahm und zu mir sagte: ‚Heidi, komm nicht mehr auf die Wache. Die Kollegen lachen schon über dich. Die sagen schon immer, ‚die Katzenmutti‘ kommt wieder.‘
Das wollte ich mir nicht antun und unterließ meine ‚Besuche‘ auf der Wache.
Weitergemacht habe ich trotzdem.
Meldungen verschwundener Tiere wurden gesammelt, Hilfesuchenden wurde geholfen!
Aber zur Polizei ging ich erst wieder Jahre später….

Die Anrufe dort, ob in Nordenham, Brake oder anderen Gemeinden in der Wesermarsch, sind mittlerweile alltäglich und ganz normal geworden.
Genauso sind im Gegenzug die Anrufe der Polizei bei uns, wenn irgendwo eine verletzte Katze liegt oder ein Hund auf der Bundesstraße läuft, heute Routine.
Man scherzt miteinander, duzt sich teilweise und wir bringen auch mal einen Korb Süßigkeiten zur Wache, wenn das nervige Wochenende vor der Tür steht.

 

Vor etwa zwei Jahren traf ich den Polizisten wieder, der mich damals ‚gewarnt‘ hat. Er sagte: „Heidi, ich hätte damals nie gedacht, dass aus dem, was du da machst, mal eine Organisation wird, die sich so in der Wesermarsch etabliert hat, dass sie nicht mehr wegzudenken ist!“
Das ging runter wie Öl… ich habe auch hart dafür gekämpft… aber nicht ich alleine!
 

So nach und nach kamen Leute dazu, die mich unterstützten - inzwischen bekam ich so viele Fund- und Vermisstenmeldungen, dass ich das alles nicht mehr alleine schaffen konnte.

Im Jahr 2009 wurde aus dem, was ich neun Jahre zuvor begonnen hatte, ein eingetragener, gemeinnütziger Verein, der organisiert sein muss, damit möglichst vielen Menschen und Tieren geholfen werden kann... kostenlos und in unserer Freizeit...

Und dann muss ich vor ein paar Tagen auf unserer Facebook-Seite lesen, meine Einstellung wäre Scheiße!?
                                             Der Anlass – wir haben einen Hund, der aus Berne gemeldet wurde, nicht gesucht!

                                                                       So fing es an:


                                                           Ich war gerade einkaufen, anschließend wollte ich für Jörg und mich ein Eis holen                                                                         und den Feierabend einläuten, als die Polizei Brake anrief und uns bat, eine Meldung
                                                              auf Facebook zu veröffentlichen: Ein großer schwarzer Hund wurde in Berne von
                                                            einem Auto angefahren und war anschließend geflüchtet. Möglicherweise war das
                                                        Tier verletzt. Ich rief Silvia an, die das übernahm.
Dann rief ich Waltraud an, die sich in Berne auskennt und fragte, wie groß die Chancen wären, den Hund zu finden, wenn wir suchen. Ihre Antwort: keine Chance. Das Gebiet ist zu groß, zu viele Straßen, zu viele Häuser…
Es hatte für mich also keinen Sinn, alleine dort hinzufahren - und sonst hatte niemand Zeit.
Ich würde den Hund nicht finden.
Waltraud war verletzt, die konnte nicht helfen.
Jessica war nicht zu Hause.
Sharon war auf der Arbeit.

 

Meinen Einkauf hatte ich beendet und im Auto verstaut, nun wollte ich das Eis holen - aber es kam ein Anruf - ein toter Kater wurde gemeldet.
Den habe ich mir also angesehen, bei Tasso angerufen, bin dann zu den Haltern gefahren, mit denen wieder zurück zu ihrem Kater, weil sie ihn nicht abholen konnten. Die Eisdiele hatte inzwischen natürlich geschlossen…. soweit die Pläne...

Leute, die auf Facebook unseren Post von dem Hund gelesen hatten, machten sich auf den Weg.
Prima!
Leider blieb ihre Suche erfolglos.
Aber wir wurden beschimpft! Weil wir nicht losgefahren sind!
Ja, wie denn? Soll ich mich teilen? Und vor allem war dieser Ton echt schlimm…

Silvia:

Ich hab es wirklich toll gefunden, dass ganz spontan einige Menschen sich ins Auto gesetzt haben, um in Berne den Hund zu suchen, der nach einem Unfall weggerannt war...

Nun hat man ihn ja nirgends finden können, aber ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was passiert wäre, wenn es anders gekommen wär.

Ich hab mich gefragt, ob alle Beteiligten die Situation richtig eingeschätzt hätten, wenn sie ihn gefunden hätten:
Ein fremder, großer Hund - nach einem Unfall womöglich verletzt (mehr oder weniger schlimm) und ganz sicher im Schock... wie hätte der sich verhalten?
Was würden die Leute machen?
Würden sie versuchen, ihn zu sichern?
Und wie?
Sind das alles hundeerfahrene Leute gewesen?

Und ich meine nicht, erfahren mit dem eigenen Hund oder dem von Freunden -
ich meine, erfahren im Umgang mit einem unberechenbaren, fremden
Hund in totaler Stress-Situation...

Würden sie seine Reaktionen, seine Körpersprache verstehen, würden sie Strategien kennen,

wie sie mit ihm in dieser Ausnahmesituation umgehen müssten, wenn er vielleicht nicht

fröhlich wedelnd dankbar vor seinen ‘Rettern’ steht?
Würden sie zum Handy greifen und um Hilfe bitten?
Die Nerven behalten?
Sich in Gefahr bringen?

Das nur mal dazu, so als Gedankenspiel. Alles nicht so einfach.

Wir haben uns also nicht sofort ins Auto gesetzt, um den Hund zu suchen und daraus wurde

gleich einmal abgeleitet, wir wären unfähig und würden uns um nichts kümmern...


 

Mal ein paar deutliche Worte:

Wir suchen immer dann, wenn es Sinn macht und wenn wir Zeit haben! Und hier war einfach beides nicht der Fall -

 

  • der Hund war fit genug, um wegzurennen

  • ein Telefonat mit einer Ortskundigen machte klar, es gab unendlich viele Möglichkeiten, wohin der Hund gelaufen sein konnte, selbst wenn also einer von uns irgendwie Zeit gefunden hätte: Wo denn suchen??

  • es gab nur eine einzige Sichtungsmeldung, und die Betreffende hatte nicht einmal bemerkt, dass der Hund verletzt gewesen wäre - also kein Grund zu akuter Panik

  • absolut niemand von uns hatte in dem Moment die Zeit, einem offenbar nicht großartig verletzten Tier, das der-Himmel-weiß-wo herumlief (wahrscheinlich nach Hause) einfach ins Blaue hinterherzufahren... und selbst wenn - bis jemand von uns aus Nordenham, Butjadingen oder Rastede nämlich in Berne gewesen wäre.... ach, wozu erklär ich das überhaupt??!

 

Einfach mal grundsätzlich:

Wir müssen nicht von Amts wegen losfahren und Tiere suchen.
Das ist nicht unser Beruf, das ist etwas, das wir ehrenamtlich tun - das geht aber immer nur dann, wenn wir Zeit haben!
Neben dem Job, um den Lebensunterhalt zu verdienen, der Familie, den eigenen Tieren und anderen Verpflichtungen.
Von ‘Null-Bock’ red ich hier nicht!

Bei täglich oft mehrfach notwendig gewordenen Fahrten zu Fundtieren in der 820 km² großen Wesermarsch und nur einer Handvoll Helfer: Wie soll das denn immer gehen?


 

Heidi:

Wir alle tun unser Möglichstes!
In unserer Freizeit, neben unserer Arbeit, neben unseren Familien, egal ob Feiertag oder nachts – wenn wir

es können, fahren wir los!
Selbst am Heiligabend waren wir schon unterwegs und in der Silvesternacht um 00:30 Uhr!

Aber meine “Einstellung ist scheiße” !?

Wer die Tiere einfängt und sichert - das ist doch völlig egal. Das müssen doch nicht unbedingt wir machen, da kann doch JEDER mithelfen!

Tiere richten sich nicht nach den Schlaf- oder anderen Bedürfnissen des Menschen – selbst Sonntagmorgens um 06:30 Uhr heißt es, raus aus den Federn, auch wenn man am Samstag bis tief in die Nacht am PC gesessen hat.
Müde sein dürfen wir nicht, krank werden dürfen wir nicht, Freizeit haben dürfen wir nicht…. und was man auch nicht vergessen darf: wir haben keine feste "Arbeits"zeit!
Es gibt keinen Acht-Stunden-Tag, kein freies Wochenende, die Nächte sind nicht frei und wir haben keinen Urlaubsanspruch!
Und das alles ist freiwillig...

Silvia:

Haben eigentlich manche Leute die Vorstellung, wir sitzen wartend im Auto, umklammern den Schlüssel - damit wir bei jeder Meldung sofort losrasen können?

So einer Meldung wie dieser z.B.:

Sonntagabend, 21 Uhr
“Ja, hallo.... ich geh hier so an den Bahnschienen lang und da hoppelt ein Kaninchen...”
“Ist es verletzt? Sieht es krank aus?”
“Nein. Das hoppelt da nur so. Auf den Bahngleisen. Das ist doch gefährlich.”
“Ja, aber da können wir ja nichts machen. Und selbst, wenn Sie es von den Gleisen scheuchen, wird es

sicher wieder draufgehen, das ist dort ja sein ‘Zuhause’.”
“Ja wieso denn ich? Ich dachte, Sie kommen da jetzt? Ich geh doch nicht auf die Schienen, das ist

ja lebensgefährlich!”

Und dann geht der Mann her und postet in den sozialen Netzwerken, der Tiersuchdienst kommt überhaupt

nicht raus, nicht mal, wenn ein Tier in Lebensgefahr ist...
Ja genau...

Heidi:

Und was stand noch in dem Kommentar?
Dass unsere Wärmebildkamera, für die wir noch Spenden sammeln, doch nur in Nordenham im Regal liegt und niemand losfährt, wenn derjenige keine Zeit hat. Und es wäre kein Wunder, dass so wenige Leute spenden…

Wir wollen natürlich keine Wärmebildkamera, damit sie im Regal liegt - aber wenn keiner Zeit hat, können wir auch nicht losfahren - weder mit noch ohne Kamera.
Da so ein Gerät ein paar tausend Euro kostet, können wir natürlich nicht alle Helfer damit ausstatten.
Eine Kamera muss also reichen.

Dann äußerte sich eine Frau negativ über unseren Verein, weil wir erst um 22: 00 Uhr kamen, um Meerschweinchen einzufangen...
Die Meerschweinchen wurden uns am frühen Abend gemeldet. Ich war in Bremerhaven, Jessica musste die Tierheimtiere versorgen, Sharon war bei der Arbeit…

Um 22:00 Uhr fuhren Jessica und ich hin. Eine halbe Stunde lang haben wir die Tiere vergeblich gesucht.

Was wir nicht wussten, weil man uns nicht informiert hat: Die Tiere wurden bereits eingefangen!

Und zwar von der Frau, die sich jetzt bei Fb in einem Kommentar darüber beschwerte, dass wir ihren verletzten Kater vor ein paar Jahren nicht gesucht haben und dass wir nun nicht sofort gekommen waren, um die Meerschweinchen einzufangen!
Und auch sonst würde man mit unserem Verein doch einige Enttäuschungen erleben!
Ich muss dazu schreiben, sie selbst hat ihren Kommentar inzwischen gelöscht.

Vielleicht, weil ihr wieder eingefallen ist

  • dass wir ihr in etlichen PN’s schon eine Reihe von hilfreichen Informationen gegeben haben

  • und einige Fragen beantwortet, die sie im Laufe der letzten Jahre gestellt hat

  • oder weil wir ihr ihren entlaufenen Hund zurückgebracht haben

  • oder weil wir die Frau ermittelt haben, der die Meerschweinchen gehörten

  • oder weil wir den Kontakt zur Meerschweinchenhilfe hergestellt haben, damit die Tiere untergebracht werden


 

Silvia:

Uns vorzuhalten, wir würden erst abends spät kommen und wenn die Leute die Tiere mittlerweile selbst eingefangen haben, klingt grotesk:
Wieso sollten sie sie denn nicht selbst einfangen, wenn sie sie da herumlaufen sehen und ihnen das möglich ist?
Wieso denn nicht eigenständig initiativ werden, wenn irgend machbar - und den Tiersuchdienst dann anrufen, damit wir alles Weitere übernehmen?

Mit dem Einfangen allein ist es ja schließlich nicht getan... und wie oft fahren wir endlose Kilometer, nur um uns dann anzuhören, dass das Tier nun jetzt gerade nicht mehr da ist - also wirklich, muss man daneben stehen und abwarten, dass jemand anders kommt und die Arbeit macht?
Sind alle unmündig oder sind wir im Kindergarten oder was?!
 

Und dass wir erst spät abends gekommen sind:
Ja Kruzifix noch mal - glaubt denn tatsächlich jemand, wir kommen deswegen spät um 22 Uhr noch zu Fundtieren, weil es uns so irren Spaß macht, um die Zeit noch durch die Wesermarsch zu juckeln, statt gemütlich auf dem Sofa zu liegen?! Ja genau!!
Wenn wir spät kommen, dann deshalb, weil es eben nicht früher ging!
Nicht, weil wir vorher keine Lust hatten!

Und statt das auf den nächsten Tag zu verschieben, da setzen wir uns sogar noch zu später Stunde ins Auto, um zu helfen... freiwillig.
Unbezahlt.
Für fremde Leute.
Für fremde Tiere.
Wir machen das, weil wir helfen wollen, soweit es uns möglich ist.
Aber ganz ehrlich, müssen wir uns beschimpfen und beleidigen lassen, wenn es uns mal
nicht sofort möglich ist?!

Heidi:

Niemand, der nicht selbst an der Spitze eines Vereins arbeitet, weiß, dass es nicht damit getan ist, Bilder zu veröffentlichen!
Niemand, der nicht im Tiersuchdienst mitarbeitet, weiß, was da jeden Tag anfällt.

Keiner kann sich überhaupt auch nur vorstellen, wie viele Anrufe täglich eingehen, deren Inhalt nicht einmal unsere Aufgaben betreffen!
Aber wir helfen ja trotzdem...

Wir trösten, geben Ratschläge, geben Telefonnummern der richtigen Ansprechpartner weiter und hören uns die Sorgen und Nöte der verwaisten Tierbesitzer an.
Wir ertragen viel zu oft das Leid und das Weinen, wenn wir eine schlimme Nachricht geben müssen - während der eigene Hund gerne raus möchte, der Mann wartet, dass wir endlich losgehen, die Kinder Hunger anmelden…

Aber meine Einstellung ist scheiße….
Manchmal, ganz ehrlich, frage ich mich, warum ich das alles eigentlich mache.
Abends auf den Film verzichten, den ich gerne sehen wollte… nachts losfahren, aufstehen aus dem warmen Bett...
Ich kann aber etwas, was ich mit meinen Mitstreitern über Jahre aufgebaut habe, nicht einfach hinschmeißen!
Natürlich nicht...
Dazu ist das viel zu wichtig!
Wir werden gebraucht, so viele Menschen verlassen sich auf unsere Hilfe!
Die große Sorge, die ich habe – halten unsere Mitarbeiter durch? Spielen die Familien mit?

 

Silvia:

Noch was, prall aus dem Leben:

Ich werde am späten Nachmittag angerufen wegen eines Fundhundes und
ich verabrede einen Termin mit dem Finder - ihm und mir passt es in zwei Stunden:

Später ist für ihn schlecht, morgen früh geht gar nicht, weil er da in Urlaub fährt.

Er muss noch eben einkaufen, ich noch eine tote Katze auf dem Bauhof ansehen –

das geht nicht später, sonst haben die nachher zu, morgen wird schon
zeitig der Container abgeholt, dann wär die Katze weg
… und dann muss ich

ja auch noch die Zeit einkalkulieren, die ich für die ca. 25 Kilometer brauchen werde.
Gut. In zwei Stunden also.

Noch eben ein paar Telefonate:

  • den Hund am Deich muss sich jemand anders ansehen - wer hat Zeit?
    Beim dritten Versuch werd ich fündig...

  • das geplante Eisessen mit einer Freundin muss auf später verschoben
    werden - später kann sie nicht... na gut, dann eben erst morgen; schade.

     

Zwei Stunden später komme ich wie vereinbart an - eine Affenhitze ist das heute, in der Eisdiele wär’s jetzt schöner.
Ich krame meine notwendige Ausrüstung zusammen, die ich immer im Auto habe und klingle an der Haustür... ein fröhlich grinsender Mann öffnet und sagt:
“Ach, Sie sind das. Ja nee, wissen Sie, der Hund ist wieder zuhause - ach, hör’n Sie mal, das ist eine witzige Geschichte. Stellen Sie sich vor, als ich beim Einkaufen war, hab ich zufällig eine Unterhaltung gehört - da suchte einer seinen Hund und denken Sie bloß: das war meiner! Also nein, natürlich nicht meiner, sondern der, der ja bei mir war, wegen dem ich Sie angerufen hab. Witzig, nicht? Ja... und da hab ich den Besitzer gleich mit zu mir genommen... das war eine Freude! Und jetzt sind sie nach Hause gegangen, die sind gerade mal 20 Minuten weg.”

Und ich steh da.
Und frag mich (und ihn!), wieso er mich dann nicht eben telefonisch darüber informiert hat?!
“Ach, gucken Sie, das hab ich ganz vergessen! Na, nun brauchen Sie sich ja nicht mehr zu kümmern und haben jetzt frei, ist doch schön”, lacht er und wünscht mir einen schönen Tag.
Souveränität, denke ich mir. Höflich sein.
Und wir verabschieden uns, er in bester Laune - und ich frag mich mal wieder, wieso kennen alle unsere Telefonnummer, wenn sie Hilfe erwarten und Alarm schlagen.... aber Entwarnung geben können sie nicht?!

 

  • 25 Kilometer hin, 25 zurück....

  • 75 Minuten Lebenszeit verschwendet

  •  einen anderen Aktiven aus der Freizeit geholt wegen dem Hund am Deich

  • die Verabredung zum Eisessen mit meiner Freundin völlig umsonst verschoben...
     

Und wenn jetzt hier einer denkt, das sei ja wohl eine Ausnahme... ha!
Schön wär’s.


 

Heidi:

Ach ja, da komme ich auch schon auf die nächste Sache… in den Kommentaren wurde sich darüber
beschwert, dass man uns mal Mithilfe angeboten hätte, wir uns aber nicht mehr gemeldet haben! Man vermutete, nicht in unser Schema zu passen… wie bitte?

Wir sind nur Menschen - keine Maschinen!
Vielleicht ist das einfach untergegangen zwischen den vielfältigen Dingen, die wir am Tag erledigen müssen - bei uns klingelt das Telefon hundert mal am Tag, wir kriegen zig Emails, PN’s, müssen auf unzählige Kommentare antworten...

Da kann man doch einfach noch mal anrufen!

Die Folge von allem:
Wir gehen vielleicht nicht mehr so unbefangen an unsere Aufgaben heran.
Im Hinterkopf bleibt bei einigen von uns womöglich der Gedanke, was dies oder jenes Verhalten wohl wieder auslösen wird, welche endlosen Diskussionen kommen werden.
Das ist doch einfach schade!
Und so unnötig.

Wir werden natürlich weitermachen wie bisher und weiter lernen.
Wir versuchen, unsere Aufgaben zu bewältigen und wir werden auch weiter losfahren, um Tiere zu suchen – sofern wir können und es Sinn macht...
Und da verlassen wir uns auf unsere langjährige Erfahrung, die niemand sonst hat. Und gar nicht haben kann.

 

Silvia:

Was wir mitgenommen und gelernt haben aus den jüngsten
Anfeindungen, die nicht die ersten waren und sicher nicht
die letzten sein werden:

Es wird immer Menschen geben,

 

  1. die uns und unsere Arbeit nicht überblicken und
    keinerlei Hintergrundwissen mitbringen und uns dennoch unverfroren
    beschimpfen werden.

     

  2. die unsere Hilfe schon mehrfach in Anspruch genommen haben, denen wir jedesmal mit Rat und Tat geholfen haben - machmal war dazu nur ein Telefonat, eine Mail oder eine Info nötig, manchmal praktische Hilfe - die tun plötzlich so, als hätten sie lauter schlechte Erfahrungen mit uns gemacht. Wieso? Ach, weiß der Geier, wieso! Vielleicht, weil wir beim dritten Nachhausebringen angesprochen haben, dass der Kater noch immer nicht kastriert oder der Hund noch immer nicht gechipt ist? Hmja. Schon möglich.
     

  3. die sich lauthals in sozialen Netzwerken beschweren, sie hätten schon vor Monaten Interesse an einer aktiven Mitgliedschaft bei uns bekundet - aber wir würden uns ja nicht mal zurückmelden.
    Also bitte - die Zeit, sowas bei Fb zu schreiben, die haben sie.... aber keine, nochmal bei uns anzuklopfen und sagen “Hey, Leute, habt ihr mich vergessen?” Wenn ich wirklich ernsthaft an etwas Interesse habe, dann mach ich das ganz genau so - ich meld mich nochmal.

     

  4. mit denen wir in einem Gespräch herausgefunden haben, dass sie leider in ihrer derzeitigen Lebenssituation für den Verein keine Hilfe sein können. Sie fühlen sich auf den Schlips getreten, sind uneinsichtig und werden ausfallend - vorzugsweise nicht direkt, sondern in den sozialen Netzwerken.
     

  5. für eine ehrenamtliche Aktivität (gleich welcher Art) nicht wirklich tauglich sind:
    Wer sich selbst nicht im Griff hat, ist schlichtweg für niemanden eine verlässliche Hilfe.


Das musste jetzt einfach mal raus.
Das war uns wichtig.

Ist ja wirklich ein bisschen lang geworden. Und schön, dass ihr bis
zum Ende durchgehalten habt.

 

Viel Spaß mit euren Tieren und dass ihr uns niemals brauchen möget,
das wünschen

 

Heidi & Silvia vom Tiersuchdienst